Parallaktisch ausrichten

Einnorden einer parallaktischen Montierung

Eine parallaktische Montierung folgt einer einfachen astronomischen Idee: Eine ihrer Achsen wird parallel zur Erdachse gestellt. Dreht sich die Erde unter dem Sternenhimmel weiter, kann das Teleskop diese scheinbare Bewegung anschließend im Wesentlichen über eine einzige Achse ausgleichen. Für die visuelle Beobachtung genügt oft eine grobe Ausrichtung. Bei langen fotografischen Belichtungen wird aus „ungefähr“ allerdings schnell „möglichst genau“.

Weitere Informationen unter der Grafik
anleitung parallaktisch ausrichten
Schritt Was ist zu tun? Warum ist das wichtig? Darauf achten
1. Stativ aufstellen Das Stativ auf einem festen Untergrund aufstellen. Für eine saubere Ausgangslage kann es mit einer Wasserwaage möglichst waagerecht ausgerichtet werden. Ein stabiler Aufbau verhindert Wackeln und erleichtert die folgenden Einstellungen an der Montierung. Stabilität ist wichtiger als millimetergenaue Perfektion beim Nivellieren.
2. Breitengrad einstellen An der Polhöhenskala der Montierung wird ungefähr der geografische Breitengrad des Beobachtungsortes eingestellt. Die Höhe des nördlichen Himmelspols über dem Horizont entspricht näherungsweise der geografischen Breite des Beobachtungsortes. Genau deshalb funktioniert diese erstaunlich einfache Einstellung. In Deutschland liegt die notwendige Polhöhe je nach Standort ungefähr zwischen 47° und 55°.
3. Nach Norden ausrichten Stativ beziehungsweise Montierung so drehen, dass die Polachse grob nach geografisch Norden zeigt. Damit zeigt die Polachse bereits ungefähr in Richtung des nördlichen Himmelspols. Ein Kompass kann bei der ersten Orientierung helfen. Dabei beachten, dass ein Kompass zum magnetischen und nicht exakt zum geografischen Norden weist.
4. Polarstern finden Den Polarstern aufsuchen und die Polachse genauer in Richtung des nördlichen Himmelspols ausrichten. Polaris steht dem nördlichen Himmelspol sehr nahe und ist deshalb ein hervorragender Orientierungspunkt für Beobachter in Deutschland. Polarstern und Himmelspol sind nicht dasselbe. Für die visuelle Beobachtung genügt häufig eine ungefähre Ausrichtung.
5. Polsucher verwenden Falls die Montierung einen Polsucher besitzt, blickt man durch dieses kleine Fernrohr und positioniert Polaris entsprechend der vorgesehenen Markierung. Damit kann die Polachse wesentlich genauer auf den tatsächlichen Himmelspol ausgerichtet werden als durch bloßes Anpeilen des Polarsterns. Die richtige Position von Polaris im Polsucher hängt von Datum, Uhrzeit und der verwendeten Polsucher-Skala ab.
6. Fein einstellen Mit den Einstellschrauben für Polhöhe und Azimut wird die gesamte Montierung vorsichtig korrigiert, bis die Polachse richtig steht. Kleine Korrekturen bringen die Rotationsachse der Montierung immer näher an die gedachte Verlängerung der Erdachse. Zum Einnorden werden die Einstellungen der Montierung benutzt – nicht einfach nur der Teleskoptubus bewegt.

Warum entspricht die Polhöhe dem Breitengrad?

Hier begegnen sich Geografie und Astronomie auf besonders schöne Weise. Stehst du am Nordpol, befindet sich der nördliche Himmelspol fast senkrecht über dir: seine Höhe beträgt ungefähr 90°. Am Äquator liegt er am Horizont: 0°. Dazwischen gilt deshalb die einfache Beziehung: Die Höhe des Himmelspols über dem Horizont entspricht dem geografischen Breitengrad des Beobachtungsortes.

Ort Geografische Breite Polhöhe
Flensburg 54,8° N ca. 54,8°
Hamburg 53,6° N ca. 53,6°
Berlin 52,5° N ca. 52,5°
Hannover 52,4° N ca. 52,4°
Dresden 51,1° N ca. 51,1°
Köln 50,9° N ca. 50,9°
Frankfurt am Main 50,1° N ca. 50,1°
Nürnberg 49,5° N ca. 49,5°
Stuttgart 48,8° N ca. 48,8°
München 48,1° N ca. 48,1°

Die Skala einer Montierung ist allerdings kein geodätisches Messinstrument. Für die erste Einstellung genügt der Breitengrad als Ausgangswert. Die genaue Polausrichtung erfolgt anschließend über Polarstern, Polsucher oder ein anderes präzises Verfahren.

Was bringt das Einnorden?

Anwendung Genauigkeit Was bedeutet das in der Praxis?
Visuelle Beobachtung Eine grobe Polausrichtung reicht häufig aus. Mond, Planeten und Sterne lassen sich bequem verfolgen. Nach dem Einnorden kann die scheinbare Himmelsbewegung im Wesentlichen über die Rektaszensionsachse ausgeglichen werden.
Hohe Vergrößerung Eine bessere Polausrichtung wird angenehmer. Das Objekt bleibt leichter im Gesichtsfeld und es sind weniger Korrekturen an der zweiten Achse notwendig.
Motorische Nachführung Eine sorgfältige Polausrichtung ist sinnvoll. Ein Motor an der Rektaszensionsachse kann die Erdrotation ausgleichen. Je genauer die Polachse steht, desto weniger Abweichungen entstehen.
Deep-Sky-Astrofotografie Eine präzise Polausrichtung ist erforderlich. Bei langen Belichtungszeiten werden kleine Ausrichtungsfehler sichtbar. Deshalb wird hier wesentlich genauer eingenordet als bei der rein visuellen Beobachtung.

Beispiel: Einsteigerteleskop mit parallaktischer Montierung

Omegon Teleskop AC 90/1000 EQ-2
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Omegon AC 90/1000 EQ-2

Dieses Teleskop ist ein anschauliches Beispiel für den klassischen Einstieg mit einer parallaktischen Montierung. Die EQ-2 besitzt eine Polhöheneinstellung sowie eine Rektaszensions- und eine Deklinationsachse. Das Teleskop wird außerdem mit einem Gegengewicht ausbalanciert.

Geeignet für: Einsteiger, die Mond und Planeten beobachten und gleichzeitig den Umgang mit einer parallaktischen Montierung lernen möchten.
Optik: achromatischer Refraktor
Öffnung: 90 mm
Brennweite: 1.000 mm
Öffnungsverhältnis: f/11,1
Montierung: EQ-2, parallaktisch
Nachführung: manuell
GoTo: nein
Zubehör: 25-mm- und 6,3-mm-Plössl-Okular, Zenitspiegel, Leuchtpunktsucher und 2×-Barlowlinse

Beobachtung: Mondkrater, Sternhaufen und Nebel sowie Details auf Jupiter, seine galileischen Monde und die Saturnringe gehören laut Herstellerunterlagen zu den vorgesehenen Beobachtungszielen.

Preis: derzeit etwa 275 € Aktionspreis (regulär etwa 339 €; Preis kann sich ändern).

Hinweis: Ich empfehle Produkte vom Fachhändler Astroshop.de. Kein Preisunterschied für euch, kleiner Bonus für meine Arbeit. Hier gibt es kein Google und kein Targeting, lediglich sehr reduzierte lokale Statistiken für den Überblick.