Teleskop ausrichten

Ein Teleskop aufzustellen ist das eine – ihm zu zeigen, wohin es blicken soll, das andere. Je nach Montierung reicht das Spektrum vom einfachen Schwenken mit der Hand bis zur computergestützten Orientierung am Sternenhimmel. Dabei gibt es nicht die eine richtige Methode: Entscheidend ist, was beobachtet werden soll und ob man nur schauen oder auch fotografieren möchte.

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Methode Wie funktioniert sie? Vorteile und Einsatz Das sollte man wissen
1. Manuelle Ausrichtung einer Azimut-Montierung Das Teleskop wird von Hand in zwei Richtungen bewegt: Azimut bedeutet links und rechts, Höhe bedeutet auf und ab. Mit Sucher oder Leuchtpunktsucher wird das gewünschte Objekt angepeilt. Sehr einfach, schnell einsatzbereit und ideal für Einsteiger. Für die visuelle Beobachtung von Mond, Planeten und vielen Deep-Sky-Objekten ist keine komplizierte Einrichtung notwendig. Ein Einnorden ist nicht erforderlich. Bei einer manuellen Montierung muss das Objekt während der Beobachtung immer wieder von Hand nachgeführt werden. Für lange Deep-Sky-Belichtungen ist dieses Prinzip nicht geeignet.
2. Einnorden einer parallaktischen Montierung Die Polachse der Montierung wird parallel zur Erdachse ausgerichtet. Auf der Nordhalbkugel orientiert man sich am nördlichen Himmelspol in der Nähe des Polarsterns. Nach dem Einnorden kann die scheinbare Bewegung des Sternenhimmels im Wesentlichen durch die Bewegung einer einzigen Achse ausgeglichen werden. Das erleichtert längere Beobachtungen und eine motorische Nachführung. Für visuelle Beobachtung reicht meist eine grobe Ausrichtung. Für lang belichtete Astrofotografie muss die Polausrichtung wesentlich genauer erfolgen.
3. Einnorden mit Polsucher Ein kleines Fernrohr in oder an der Montierung zeigt die Umgebung des Himmelspols. Der Polarstern wird entsprechend der Markierungen im Polsucher positioniert. Damit lässt sich die Polachse wesentlich genauer ausrichten als nur durch grobes Anpeilen des Polarsterns. Das ist besonders für motorisierte Nachführung und Astrofotografie hilfreich. Ein Polsucher muss vorhanden oder nachrüstbar sein. Für eine präzise Einstellung muss man außerdem wissen, an welcher Position der Polarstern im Polsucher stehen soll.
4. 2-Sterne-Alignment Zwei bekannte Sterne werden nacheinander mit dem Teleskop angefahren und genau zentriert. Die Computersteuerung berechnet daraus die tatsächliche Orientierung der Montierung gegenüber dem Sternenhimmel. Ein verbreitetes Verfahren bei GoTo-Teleskopen. Nach erfolgreichem Alignment kann die Steuerung zahlreiche Himmelsobjekte automatisch anfahren. Das Alignment und das Einnorden erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Ein Sterne-Alignment sagt der Steuerung, wohin das Teleskop tatsächlich zeigt. Bei einer parallaktischen Montierung ersetzt es für anspruchsvolle Astrofotografie keine präzise Polausrichtung.
5. Smartphone-Alignment und Smartphone-Navigation Systeme wie StarSense Explorer verwenden die Kamera und Sensoren eines Smartphones zusammen mit einer App, um die Orientierung am Sternenhimmel zu bestimmen. Die Software zeigt anschließend, in welche Richtung das Teleskop bewegt werden soll. Besonders komfortabel für Einsteiger. Auf dem Display wird praktisch der Weg zum gewünschten Stern, Planeten, Sternhaufen oder Nebel angezeigt. Smartphone-Navigation ist nicht automatisch GoTo. Bei einem manuellen System wie StarSense Explorer bewegt der Beobachter das Teleskop selbst. Genauigkeit und Funktionsweise hängen vom jeweiligen System und den Beobachtungsbedingungen ab.

Einnorden und Alignment – zwei Begriffe, zwei Aufgaben

Gerade am Anfang werden diese Begriffe leicht verwechselt. Dabei beantworten sie zwei ganz verschiedene Fragen. Beim Einnorden geht es um die Mechanik der parallaktischen Montierung. Beim Alignment geht es darum, der Computersteuerung zu zeigen, wie das Teleskop tatsächlich gegenüber dem Sternenhimmel orientiert ist.

Verfahren Was wird ausgerichtet? Einfach erklärt
Einnorden Die Polachse einer parallaktischen Montierung wird parallel zur Erdachse ausgerichtet. Die Montierung wird an die Geometrie der Erde angepasst, damit sie der scheinbaren Drehung des Himmels möglichst genau folgen kann.
Polsucher Hilfsmittel für eine genauere Polausrichtung. Statt nur ungefähr zum Polarstern zu zeigen, wird die Lage des tatsächlichen Himmelspols genauer berücksichtigt.
Alignment Die Computersteuerung wird mit der tatsächlichen Orientierung des Teleskops abgeglichen. Die Elektronik bekommt Referenzpunkte am Himmel und kann daraus berechnen, wohin sie fahren muss.
Smartphone-Navigation Smartphone und App helfen dabei festzustellen, wohin das Teleskop zeigt beziehungsweise wohin es bewegt werden muss. Das Smartphone wird zum elektronischen Wegweiser am Himmel. Motoren sind dafür nicht zwingend erforderlich.

Welche Methode brauche ich?

Vorhaben Sinnvolle Methode Warum?
Einfach Mond und Planeten beobachten Manuelle Azimut-Montierung Aufstellen, anpeilen und beobachten. Für den Einstieg ist kaum zusätzliche Technik erforderlich.
Mit parallaktischer Montierung beobachten Grobes Einnorden Für die visuelle Beobachtung muss die Polausrichtung normalerweise nicht die Genauigkeit einer fotografischen Aufstellung erreichen.
GoTo verwenden Alignment, beispielsweise mit zwei Sternen Die Steuerung benötigt Referenzpunkte, damit ausgewählte Himmelsobjekte zuverlässig angefahren werden können.
Ohne Sternkenntnisse leichter Objekte finden Smartphone-Navigation Eine App unterstützt bei der Orientierung und führt den Beobachter Schritt für Schritt zum Ziel.
Deep-Sky-Astrofotografie Präzises Einnorden, häufig mit Polsucher oder elektronischer Hilfe Bei langen Belichtungen werden bereits kleine Fehler in der Polausrichtung sichtbar. Hier zählt Genauigkeit wesentlich mehr als bei der rein visuellen Beobachtung.

Einfach merken: Wer mit einer Azimut-Montierung nur beobachten möchte, kann fast unmittelbar anfangen. Eine parallaktische Montierung muss eingenordet werden. Ein GoTo-System benötigt zusätzlich ein geeignetes Alignment. Und das Smartphone kann heute zum Wegweiser werden – es zeigt den Weg zum Himmelsobjekt, ohne dass deshalb zwangsläufig ein Motor das Teleskop bewegen muss.

Fünf Wege der Teleskop-Ausrichtung – passende Beispiele

Vom einfachen Teleskop, das mit der Hand zum Mond geschwenkt wird, bis zur computergesteuerten Ausrichtung liegen technisch ganz unterschiedliche Wege. Die folgenden Modelle zeigen beispielhaft, wie azimutale Ausrichtung, parallaktisches Einnorden, Polsucher, GoTo-Alignment und Smartphone-Navigation in der Praxis aussehen können.

Produkt Informationen
Omegon Teleskop AC 70/700 AZ-2
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Manuelle Azimut-Ausrichtung: Omegon AC 70/700 AZ-2

Ein klassisches Einsteigerteleskop, bei dem man unmittelbar versteht, was geschieht: Das Teleskop wird auf seiner AZ-2-Montierung von Hand nach links und rechts sowie nach oben und unten bewegt. Ein Einnorden ist nicht erforderlich.

Geeignet für: Einsteiger, Erwachsene und Kinder, die ohne komplizierte Einrichtung mit der Himmelsbeobachtung beginnen möchten.
Beobachtung: besonders Mond und Planeten; auch Sternhaufen und einige helle Nebel sind erreichbar. Das Teleskop kann außerdem zur Naturbeobachtung verwendet werden.

Optik: achromatischer Refraktor
Öffnung: 70 mm
Brennweite: 700 mm
Öffnungsverhältnis: f/10
Max. sinnvolle Vergrößerung: 140-fach
Montierung: AZ-2, azimutal
GoTo: nein
Stativ: Aluminium, ca. 67–119 cm
Gesamtgewicht: ca. 4 kg
Zubehör: 20-mm- und 10-mm-Okular, 2×-Barlow, Leuchtpunktsucher und Zenitspiegel

Astrofotografie: Astroshop empfiehlt das System nicht für Astrofotografie. Einfache Mondaufnahmen am Okular sind davon zu unterscheiden.

Preis: ca. 120–140 €
Omegon Teleskop AC 90/1000 EQ-2
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Parallaktische Ausrichtung: Omegon AC 90/1000 EQ-2

Hier kommt das klassische Einnorden ins Spiel. Die EQ-2 ist eine parallaktische Montierung: Ihre Polachse wird möglichst parallel zur Erdachse ausgerichtet. Danach lässt sich die scheinbare Himmelsbewegung wesentlich komfortabler verfolgen als mit einer einfachen manuellen Azimut-Montierung.

Geeignet für: Einsteiger, die nicht nur beobachten, sondern gleichzeitig das Prinzip einer parallaktischen Montierung kennenlernen möchten.
Beobachtung: besonders Mond, Jupiter, Saturn, Mars und Doppelsterne; hellere Deep-Sky-Objekte sind ebenfalls erreichbar.

Optik: achromatischer Refraktor
Öffnung: 90 mm
Brennweite: 1.000 mm
Öffnungsverhältnis: f/11,1
Max. sinnvolle Vergrößerung: ca. 180-fach
Montierung: EQ-2, parallaktisch
GoTo: nein
Nachführung: manuell; für bestimmte EQ-2-Systeme existieren Nachführmotoren als Zubehör

Astrofotografie: für erste Mond- und Planetenaufnahmen interessanter als eine einfache AZ-Montierung. Die EQ-2 gehört jedoch zur leichten Montierungsklasse und ist keine typische Basis für anspruchsvolle lang belichtete Deep-Sky-Astrofotografie.

Preis: grob ca. 250–300 €
Omegon Teleskop N 150/750 EQ-4
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Ausrichtung mit Polsucher: Omegon Newton 150/750 EQ-4

Die EQ-4 geht bei der Polausrichtung einen Schritt weiter. Ein integriertes Polsucherfernrohr ermöglicht eine wesentlich genauere Ausrichtung der Montierungsachse auf den Himmelspol als das bloße Anpeilen des Polarsterns.

Geeignet für: Einsteiger und fortgeschrittene Beobachter, die eine stabilere parallaktische Montierung kennenlernen und sich auch mit genauerem Einnorden beschäftigen möchten.
Beobachtung: Mond und Planeten ebenso wie Sternhaufen, Nebel und Galaxien. Die 150-mm-Öffnung macht das Gerät zu einem interessanten Allrounder.

Optik: Newton-Reflektor
Öffnung: 150 mm
Brennweite: 750 mm
Öffnungsverhältnis: f/5
Max. sinnvolle Vergrößerung: ca. 300-fach
Montierung: EQ-4, parallaktisch
Polsucher: integriert
GoTo: nein
Besonderheit: gegenüber einfacheren Montierungen stabilerer Polblock und feinere Azimut-Einstellung für die Polausrichtung.

Astrofotografie: Die Kombination ist für erste fotografische Schritte vorbereitet. Für längere Deep-Sky-Aufnahmen ist zusätzlich eine geeignete motorische Nachführung erforderlich. Der Polsucher ist dabei besonders nützlich, weil eine genaue Polausrichtung mit zunehmender Belichtungszeit wichtiger wird.

Preis: ca. 450 €
Celestron Maksutov Teleskop MC 90/1250 NexStar 90 SLT GoTo
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GoTo mit 3-Objekt-Alignment: Celestron NexStar 90 SLT

Hier übernimmt ein Computer einen großen Teil der Orientierung. Celestrons SkyAlign benötigt drei helle Referenzobjekte. Der Beobachter muss deren Namen nicht kennen: Nach dem Zentrieren berechnet die Steuerung die Orientierung des Teleskops und kann anschließend Himmelsobjekte automatisch anfahren.

Geeignet für: Einsteiger, die ein kompaktes motorisiertes Teleskop mit automatischer Objektsuche wünschen.
Beobachtung: besonders Mond und Planeten, Doppelsterne und hellere kompakte Deep-Sky-Objekte.

Optik: Maksutov
Öffnung: 90 mm
Brennweite: 1.250 mm
Öffnungsverhältnis: f/13,9
Max. sinnvolle Vergrößerung: 180-fach
Montierung: azimutale Einarmmontierung
GoTo: ja
Ausrichtung: Celestron SkyAlign
Datenbank: ca. 4.000 Objekte
GPS: optional
Gesamtgewicht: ca. 5,44 kg

Astrofotografie: Astroshop führt Astrofotografie als Anwendungsgebiet auf. Besonders naheliegend sind aufgrund der langen Brennweite Mond- und Planetenaufnahmen. Für lange Deep-Sky-Belichtungen ist die serienmäßige azimutale Montierung wegen der Bildfeldrotation nicht die klassische Lösung.

Preis: aktuell grob ca. 850–900 €
Celestron Teleskop N 127/1000 StarSense Explorer LT 127 AZ
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Smartphone-Ausrichtung: Celestron StarSense Explorer LT 127 AZ

Hier wird das Smartphone zum elektronischen Wegweiser. Es kommt in die StarSense-Halterung, die App bestimmt die Orientierung am Himmel und zeigt auf dem Display, in welche Richtung das Teleskop bewegt werden muss.

Geeignet für: Einsteiger, die Himmelsobjekte leichter finden möchten, aber bewusst auf eine motorisierte GoTo-Montierung verzichten wollen.
Beobachtung: Mond, Planeten, Doppelsterne, Sternhaufen sowie hellere Nebel und Galaxien.

Optik: Newton-Reflektor
Öffnung: 127 mm
Brennweite: 1.000 mm
Öffnungsverhältnis: f/7,9
Montierung: azimutal
Navigation: StarSense Explorer App
Smartphone-Halterung: ja
Motoren: nein
GoTo: nein

Wichtig: StarSense Explorer ist ein PushTo-System. Die App zeigt den Weg zum Objekt, aber der Beobachter bewegt das Teleskop selbst. Das unterscheidet dieses Prinzip grundlegend von einem motorisierten GoTo-Teleskop.

Astrofotografie: nicht als nachgeführtes Astrofotografie-System konzipiert. Einfache Mondaufnahmen mit Smartphone oder Kamera am Okular sind davon zu unterscheiden.

Preis: ca. 330–350 €

Preise sind ungefähre Orientierungswerte und können sich ändern. Technische Angaben und Einstufungen basieren auf den Produktinformationen von Astroshop.de.


Hinweis: Ich empfehle Produkte vom Fachhändler Astroshop.de. Kein Preisunterschied für euch, kleiner Bonus für meine Arbeit. Hier gibt es kein Google und kein Targeting, lediglich sehr reduzierte lokale Statistiken für den Überblick.